Mein Studium in Frankreich

Maria Butzke
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Seit ein paar Tagen bin ich intensiv dabei meine letzte Arbeit meines Masterstudiums an der Sorbonne Nouvelle in Paris, den Praktikumsbericht, zu schreiben. Langsam aber sicher wird mir bewusst, dass sich mein Studium, meine Studentenzeit, unwiderruflich dem Ende zuneigt.

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie gestresst, wie aufgeregt, wie hoffnungsvoll und voller Zweifel ich war, als es um die Bewerbung auf den Studienplatz an der Sorbonne Nouvelle ging. Als dies nach einem nie enden wollenden Korrespondenzmarathon, nachzureichenden Formularen und Unterlagen geschafft war und ich stolz das Studium aufnahm, war der Stress nicht verschwunden, sondern blieb mir erhalten. Er war ein ständiger Wegbegleiter während meines Studiums und natürlich ganz besonders während der zurückliegenden Prüfungszeit.

Also eigentlich war ich fast immer gestresst und meine Kommilitonen können sicher so einige lustige Anekdoten darüber erzählen, was Stress bei mir alles auslösen kann.

Wenn ich die Studienzeit vor meinem inneren Auge Revue passieren lasse, komme ich nur zu einem Ergebnis; es hat sich wirklich gelohnt und es war eine schöne, aufregende und, ja, im besten Sinne, lehrreiche Zeit.

Im Rückblick war das Studium in Frankreich und in Deutschland, zumindest für mich, definitiv nicht einfach und verlangte ein hohes Maß an Anpassung, Eigeninitiative und Lernwillen. In Frankreich trifft man auf Herausforderungen, die man so in Deutschland nicht hat und umgekehrt.

Mein Bachelorstudium an der Humboldt-Universität in Berlin gestaltete sich so, dass ich als Student innerhalb meiner Studienfächer frei nach Interessen meine Kurse wählen konnte; ob es nun um den Themeninhalt, die Uhrzeit, den Professor oder andere mit dem Studium zusammenhängende Entscheidungen ging. Man konnte, wenn man einen Kurs aus verschiedenen Gründen nicht machen wollte, einen Alternativkurs mit gleichem Inhalt wählen oder ihn einfach auf das nächste Semester verlegen. Man war also selbst für den Ablauf des Studiums und den Erwerb der geforderten Qualifikationen/Scheine und somit den erfolgreichen Abschluss verantwortlich. Dies erforderte einen hohen Grad an Eigeninitiative und Disziplin, aber es machte alles etwas entspannter. Man war weniger fremdbestimmt. Dieses System der selbst gewählten Kurse hatte aber zufolge, dass man selten einen Kommilitonen/in hatte, der/die mit einem zusammen mehr als drei die gleichen Kurse besuchte. Dadurch war man im Studium zumeist auf sich allein gestellt. Alles gestaltete sich anonymer. Streng waren auch die Regularien. Man musste peinlichst genau darauf achten alle Regularien und Zeitvorgaben zur Abgabe von Arbeiten usw. einzuhalten ansonsten hatte man in aller Regel mit Konsequenzen zu rechnen. Zum Beispiel: Eine Arbeit die einen Tag zu spät abgegeben wird, gilt als nicht geschrieben.

Das Masterstudium an der Sorbonne Nouvelle erforderte von mir zunächst ein Umdenken. Zum Beispiel musste ich in Frankreich wirklich alle Kurse in der dafür vorgegebenen Zeit schaffen. Ich hatte einen fixen Stundenplan und der musste eingehalten werden. Man konnte nicht Kurse auf das folgende Semester legen.

Weiterhin war das Studium in Frankreich mit sehr vielen Projekten, Hausaufgaben (ja, hier gibt es Hausaufgaben), Präsentationen (ja, die werden alle benotet) und besonders Prüfungen vollgestopft. Ich habe mich während meines Studiums an der Sorbonne Nouvelle gefühlt, als würde ich, an einem sich ständig wiederholenden Sprint teilnehmen.

Kaum ist man im Ziel, fällt schon wieder der nächste Startschuss und man rennt los. Dies kann dazu führen, dass man ausbrennt, eine innerliche Leere spürt und ab und zu richtig mutlos wird.

Dadurch, dass das Studium so mit Inhalten vollgestopft war, konnte man, falls man einen Abgabetermin, z.B. eines vorgegebenen Dokumentes oder eine Deadline, verpasst hatte, doch noch mit intensiver Kommunikation mit dem Verantwortlichen einiges erreichen. Aber, und dies hat mich immer wieder aufgerichtet, ich habe sehr viel dazugelernt und vor allem hatte man/ich auch eine geniale Zeit mit seinen/meinen Kommilitonen.

In Frankreich gibt es an der Universität noch so etwas wie eine Klasse (ja, so wie in der Schule) und man sieht sich sehr, sehr, sehr viel…mindestens fünf Tage die Woche und gerne auch mal samstags für die Zusatzkurse…und sonntags…und während der Ferien, weil man ein Projekt oder Referat ausarbeiten muss. Hatte man eine/m Kommilitonen/innen besonders gerne, dann verbrachte man auch die freie Zeit zusammen, mit, natürlich, lernen; aber nicht ausschließlich.

Dadurch, sowie durch das Klassensystem, lernte ich, anders als im Studium an der Humboldt-Universität, meine Kommilitonen/innen gezwungenermaßen besser kennen als in Deutschland. Ob ich nun wollte oder nicht. Wie zu Schulzeiten halt. Aber auch aus Schulzeiten hat man meist bis heute noch die besten Freunde und genauso empfand ich es während meines Studiums in Frankreich. Ich denke, dass ich auch noch in Jahren mit einigen im engen Kontakt stehen werde.

Insgesamt war das Studium an der Sorbonne Nouvelle unter so viel Druck und ständig gezwungenem Zusammensein nicht immer einfach, aber ich habe mir in dieser Zeit umfangreiches, praktikables Wissen aneignen können. Auch habe ich dank dieser Form des Studiums tolle Leute kennengelernt, von denen ich viel gelernt habe, durch welche die Studienzeit eine wirklich tolle Zeit (“geteiltes Leid ist halbes Leid”) wurde und man wunderbare Erinnerungen für das Leben sammeln konnte.

Es hat sich gelohnt!

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